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Kindersoftware: Erfolg ist nicht programmiert
Der Handel mit Edutainment-Titeln entwickelt sich positiv, und immer mehr Firmen wollen mit ihren Produkten in den lukrativen Markt einsteigen. Chancen also für alle, oder doch nur ein erfolgversprechendes Parkett für ein paar wenige?
Kinder spielen in den Marketingplänen der Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Zahlreiche Untersuchungen und Befragungen machen klar, daß die Jugend von heute ein enormes Finanzpotential besitzt. Ein Trend, der natürlich auch vor der Software-Branche nicht haltmacht. Die deutschen Kindersoftware-Publisher bauen in Zukunft auf jeden Fall auf Qualität. Marken und hochwertige Umsetzungen sind Stichwörter, die immer wieder zu hören sind. Eine Einschätzung, die sich auch bei einem Blick auf die Verkaufscharts bestätigt. Dort sind bekannte Namen wie Löwenzahn, Hugo oder TKKG stets ganz oben zu finden. Der Absatz von PC-Kids-Software stieg im Jahr 2000 nach Angaben der GfK in Deutschland um 11% auf rund 1,7 Millionen Stück. Ein ständig wachsenden Angebot also, das sich allerdings auch auf das Preisgefüge auswirkt. Der Durchschnittspreis von Kindertiteln sank von 55 Mark 1999 auf 51 Mark im Jahr 2000. Ein Ende der Fahnenstange ist dabei nach Meinung der Publisher noch nicht erreicht. "Das Marktpotential ist noch lange nicht ausgeschöpft. Der Markt für Kindersoftware wächst, anders als in USA, weiterhin”, so Iris Bellinghausen, Geschäftsführung Terzio. Während der Kindersoftware-Bereich am US-Markt genau wie der gesamte CD-ROM-Markt schrumpfe, sei in Europa ein weiteres Wachstum möglich, da sich die Verlage langfristig um Qualität und inhaltliche Tiefe gekümmert hätten. "Deswegen haben Eltern die CD-ROM als neues Lernmittel inzwischen akzeptiert, und das spiegelt sich in den Wachstumsraten bei Kindersoftware wieder", beschreibt Bellinghausen die Situation auf dem heimischen Markt. Terzio erwartet allerdings aufgrund der Vielzahl von neuen Titeln ein Abflachen der Kurve, die aber weiterhin nach oben zeige. In Zukunft will sich der Publisher gegenüber der Konkurrenz durch "Qualität, gute Ideen sowie starke Marken und Figuren" behaupten. Hierzu gehören das Fernsehquiz "1, 2 oder 3" und "Welt der Wunder Kids". Soundqualität vom Sprecher bis zum Türquietschen. Ähnlich positiv sieht Mil Thierig, Geschäftsführer von Tivola, den Markt: “Mit der zunehmenden Computerisierung in den Haushalten erwarten wir weiterhin ein großes Wachstum im Bereich Edutainment. Insgesamt wird der Anstieg allerdings flacher ausfallen als in der Vergangenheit.” Starke Impulse erwartet das Unternehmen wie die gesamte Branche vor allem vom Weihnachtsgeschäft. “In dieser Zeit erwirtschaften wir traditionell unseren Hauptumsatz”, so Thierig. Auch bei Tivola, dessen Standbein die Kindersoftware ist, liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Produktqualität. In der Flut von neuen Programmen will sich der Verlag durch die “herausragende Qualität” seiner Produkte vom Wettbewerb abgrenzen. Thierig: “Für uns steht die medienadäquate Umsetzung von Inhalten im Vordergrund. Wir versuchen, interessante und edukative Inhalte interaktiv umzusetzen und dabei zu jeder Zeit einen hohen Qualitätsstandard zu sichern. Der besteht vor allem aus intelligenten Konzepten, sehr guten Texten, hervorragenden Illustrationen und optimaler Soundqualität vom Sprecher bis zum Türquietschen. " Mit diesen Qualitätsstandards habe sich das Unternehmen seine gute Marktposition erobern können. Daß nicht alles Gold ist, was glänzt, macht Goetz von Poncet, Vertriebsleiter bei Topos, deutlich: “Zur Zeit beträgt der Marktanteil von Kindersoftware rund 10%. Vom Umsatz her sind es aber nur 6%. Man sollte also im Moment nicht der Gefahr der Überbewertung erliegen.” Trotzdem sieht der Verlag aufgrund der erwartungsgemäß wachsenden Penetration des privaten Konsumerbereichs durch PCs moderate Steigerungsraten beim Markt für Kindersoftware. Die Titel für junge Verbraucher spielen nach Firmenangaben im Unternehmen bereits eine marktgerechte Rolle und sollen dies auch weiterhin tun. Für die Zukunft will sich Topos auf seine im Lauf der Zeit angesammelte Erfahrung stützen. “Durch unsere Reihen ‚MultiMedia Software für Kinder‘, ‚Wie geht Was‘ sowie ‚Galswin Spiel + Lern Abenteuer‘ haben wir uns im Handel einen guten Ruf erworben und sind zufriedenstellend im Markt vertreten. Darauf bauen wir auf. Unsere Kompetenz in diesem Bereich ist unser großer Pluspunkt gegenüber Newcomern in diesem Segment" so Poncet. Weiterhin stark wachsend.
Gespräch mit Michael Hanisch, Marketing Manager Disney Interactive: Wie schätzt Disney Interactive den Markt für Kindersoftware im deutschsprachigen Raum ein? Hanisch: "Wir halten den deutschen Kindersoftwaremarkt weiterhin für stark wachsend, es existieren auch starke lokale Marken. Außerdem haben die Top-Titel der Kindersoftware im Vergleich zu anderen Software-Bereichen viel länger anhaltende Lebenszyklen. Beispielsweise sind unsere “Winnie Puuh”-Titel immer noch sehr erfolgreich, obwohl die Veröffentlichung schon über ein Jahr her ist."
Wie wird sich der Markt entwickeln? Hanisch: "Wir rechnen mit einem langfristigen Überleben von Marken und Brands, einer Konzentration der Marktteilnehmer und darüber hinaus mit einer starken Preisdifferenzierung im Budget- und High-Preis-Bereich zur Abdeckung aller Handelskanäle."
Welche Rolle spielt Kindersoftware im eigenen Unternehmen? Hanisch: "Die Vermarktung von Kindersoftware ist ganz klar das Kerngeschäft von Disney Interactive, und zwar sowohl für PC als auch für Konsolen. Dabei differenzieren wir entsprechend den Zielgruppen: Unsere Range besteht aus Lernprodukten für die Kleinsten, Junior Games für Kinder ab fünf Jahren und Action-Games für Kids ab acht Jahren.
Wie will sich Disney von der Flut der neuen Programme abgrenzen? Hanisch: "Es gibt sicher mehrere Erfolgsfaktoren, mit denen man sich im wachsenden Markt der Kindersoftware abgrenzen kann. Für uns als Disney-Division sind familiengerechte Inhalte, neue Spielkonzepte, die Stärke der Disney-Charaktere, die Zuverlässigkeit der Disney-Produkte und das Vertrauen der Endverbraucher in die Marke besonders wichtig. Lassen Sie sich einfach von unserem hervorragenden Produkt-Line-up für 2002 überraschen, wir legen einen gehörigen Gang zu."
Quelle: INSIDER - Online Bormeiers Branchenmagazin |
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